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Interview mit Thomas Hellriegel::
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sel der Triathlonverein in Kassel, Nordhessen








O-Töne
"90 % der Triathleten sehen so aus als könnten sie ein Rennen gewinnen, aber die 10 %, die nicht so aussehen gewinnen das Ding!" - Christoph Mauch 1999.





Thomas Hellriegel hat es sich mit Freunden für ein paar Tage in Nordhessen gemütlich gemacht und 3athlon hat die Möglichkeit gehabt, die kleine Gruppe zu begleiten.


3athlon: Thomas, deinen Trainingsalltag wolltest du am 1. Dezember beginnen. War es schwer nach einer längeren Regenerationspause wieder in Tritt zu kommen?
Thomas Hellriegel: Ja, allerdings. Ich bin sechs Wochen kein Rad gefahren und habe das Gesamttraining nach dem IRONMAN HAWAII massiv heruntergeschraubt. Nach den ersten Einheiten per Pedes vor kurzer Zeit habe ich ganz ordentlichen Muskelkater in den Waden vom Laufen gehabt. Es ist auch nach so vielen Jahren immer wieder interessant, wie schnell man die Form verliert. Aber es ist auch sehr beruhigend, dass es nach kurzer Zeit wieder ganz ordentlich läuft.

3athlon: Du planst im nächsten Jahr neben Roth und Hawaii, bei einer weiteren Langdistanz im Frühjahr an den Start gehen, kannst du uns schon näheres verraten?
Thomas Hellriegel: Quelle Challenge Roth und IRONMAN Hawaii sind für 2003 eingeplant. Ein weiterer Kandidat für einen IRONMAN im Frühjahr ist Lanzarote. Das Rennen hat eine selektive Radstrecke und Lanzarote ist mittlerweile neben Teneriffa eine zweite Heimat geworden. Ein ganz früher Termin für einen IRONMAN, wie Malaysia kommt für mich nicht in Frage.
Für die Zukunft reizt mich auch der IRONMAN LAKE PLACID. Die Schwimmstrecke ist fantastisch. Durch die Regattastrecke muss man kaum den Kopf heben, da man sich Unterwasser an den Leitdrähten orientieren kann. Das Wasser ist schön klar und auch die Radstrecke glänzt durch ein angenehmes Profil und einen tollen neuen und schnellen Straßenbelag.

3athlon: Deine Teamkollegen Faris al Sultan und Markus Forster sind in diesem Jahr, dem Zweitstarterrecht sei Dank für einen Club in der Bundesliga gestartet, sehen wir dich 2003 in der höchsten deutschen Triathlonliga wieder?
Thomas Hellriegel: Ich habe noch keine konkreten Pläne, was die Kurzdistanzen „zwischen“ den Langdistanzen angeht. Grundsätzlich ist mein Interesse für eine Teilnahme bei Windschattenrennen nicht sehr groß und ich bin dort sicher für ein Team auch nicht allzu nützlich. Bei mir sind diesbezüglich auch keine Anfragen aufgekommen, die mich für den Erstligabetrieb gewünscht hätten. Die Anforderungsprofile Olympischer Kurzdistanz mit Drafting und klassischem Triathlon sind da doch zu different.
Ich bevorzuge traditionelle Kurzdistanzen und ziehe Strecken, wie Buschhütten, Bonn oder Schliersee in die nähere Auswahl. Klare Zusagen kann ich aber jetzt wirklich noch nicht machen und ich werde auf meiner Website rechtzeitig den Rennkalender einstellen, wenn er endgültigen Charakter hat.

3athlon: Ein Traum von Dir ist einmal bei der Tour-de-France teilzunehmen, gesetzt den Fall das Team Geroldsteiner, Coast oder Telekom würde Dir einen Profivertrag als Radfahrer geben, würdest du dem Triathlonsport „Adieu“ sagen?
Thomas Hellriegel: Für eine Saison als Radprofi würde ich mich wirklich ernsthaft ein Jahr darauf vorbereiten. Das Erlebnis Tour de France ist einmalig und sicher eine echte Herausforderung für einen gut radelnden Triathleten mit den Spezialisten mitzufahren.

3athlon: Welche Chancen würdest du Dir bei einer einjährigen Vorbereitung auf die Tour-de-France ausrechnen? Würdest du locker mitradeln können oder sind die Jungs aus deiner Warte doch ein bisschen schneller?
Thomas Hellriegel: Locker Mitradeln ist sicher zu hoch gegriffen. Die Endschnelligkeit und die Antrittsfähigkeit ist doch ein Pfund, dass uns Triathleten zu schaffen machen dürfte. Bei den Einzelzeitfahr-Wettbewerben sind die Strecken so kurz, dass das Training schon darauf ausgerichtet werden muss, um eine konkurrenzfähige Leistung erzielen zu können. Im Feld dürfte ich mich aber ganz gut aufgehoben fühlen, hoffentlich nicht die rote Laterne tragen müssen und auch keine Probleme mit dem „Cutoff“ bekommen. Ich kann mir z.B. ganz gut vorstellen auf Flachstücken vorne für längere Zeit Druck mit Teamkollegen aufbauen zu können, um z.B. das Feld von vorne zu kontrollieren.

3athlon: Du hast ein paar Tage beim Mapei-Team mittrainieren können, welche Erfahrungen hast du machen können und welchen Unterschied hast du zwischen einem Profi-Radteam und einem Profi-Triathlon-Team, gesehen?
Thomas Hellriegel: Die Radprofis sind erheblich professioneller, als alles, was ich im Triathlon erlebt habe. Eigene Mechaniker, Köche und Physiotherapeuten sind nur die Spitze des „Komforteisberges“. Als Pro schlappt man am Morgen zum Frühstück, bekommt von Koch und Teamchef individuelle Empfehlungen, was an diesem Tage zu essen ist. Legt sich nach dem Mahl eine Runde hin und schlurft dann gestiefelt und gespornt an sein Bike, das von den Mechanikern schön vorbereitet am Hautpeingang steht. Schuhe an und die Einheit geht los – Betreuungswagen inklusive. Kaum nach Trainingsende am Hotel angekommen, kann man sein Rad in kompetente und fleißige Hände abgeben und der Athlet wird direkt mit Nahrungs- und Substitutionsmitteln aufgepäppelt.

So geht es den ganzen Tage weiter, der Fokus liegt wirklich enorm auf dem Training und Pflege der „Maschine“ Mensch und so lassen sich natürlich sehr gut hohe Qualitäten und Quantitäten trainieren, da die meisten lästigen Nebentätigkeiten wegfallen.

3athlon: Wechseln wir zum Thema Leistungsdiagnostik, du wirst von der Universität Freiburg betreut, was Leistungsdiagnostiken angeht, was verschlägt dich genau in die Parkhöhe, Bad Wildungen?
Thomas Hellriegel: Mein mich in der Vergangenheit betreuender Arzt Dr. Huonker ist nicht mehr in Freiburg und durch eine Empfehlung von Thomas Braun habe ich mich entschlossen die Parkhöhe in Bad Wildungen zu testen, um einen Einblick zu erhalten. Umland, Wohnanlage, Labor und die anderen zentralen Einrichtungen finde ich gut und auch die Testabläufe und Gespräche mit Prof. Dr. Buhl und seinem Team waren interessant.

3athlon: Wie wichtig ist für dich die Überprüfung deiner Form, mit Hilfe von Leistungsdiagnostiken?
Thomas Hellriegel: Nach über zehn Jahren Triathlon als Hochleistungssport ist kontinuierliche Leistungsdiagnostik für mich persönlich sehr wichtig. Um vorwärts zu kommen ist eine beständige Nuancierung des Trainings nötig. Neben Erhebung von Standardparametern und Einordnung der aktuellen Form unter Berücksichtigung der eingesetzten Trainingsmittel ist vor allem der gesundheitliche Aspekt nicht unerheblich.
Insbesondere nach fiebrigen Erkältungen oder anderen Infekten fühle ich mich nach einer umfassenden sportärztlichen Untersuchung mit Leistungsdiagnostik sicherer und habe keine Hemmungen wieder voll an die Qualität beim Sport zu gehen. Es gab in der Vergangenheit genug Ausfälle bei vielen Kollegen wegen verschleppter und nicht erkannter Infekte, die daraufhin ihre Karriere beenden mussten.

3athlon: Welche standardisierten Tests führst du durch und wie lauten die technischen Werte (z.B. Wattzahl & VO2max.)?
Thomas Hellriegel: Ich führe neben grundsätzlichen Gesundheitschecks meist Stufentests mit Spiroergometrie und Stoffwechselparametererhebung (Laktat, etc.) auf dem Rad und dem Laufband unter Laborbedingungen durch. Hinzu kommen Überprüfungen der Muskelkontraktionsgeschwindigkeiten, Beweglichkeitstests und weiteres. Interessant ist für mich im Augenblick auch unter Aspekten des Trainings der Atmung und von Stoffwechselanpassungen Durchläufe unter simulierten Höhenbedingungen in Hypoxiekammern, wie z.B. in der Parkhöhe anzugehen. Ich denke, dass ich damit noch etwas bewegen kann.
Momentan vorliegende absolute Zahlen möchte ich ungern weitergeben. Für das bisherige Training schaut es sehr gut aus und ich habe einmal in einem Test in 50 Watt-Stufen 400 Watt auf der letzten Stufe auf dem Radergo zu Buche stehen.(kb)

Links:
Webseite Thomas Hellriegel
Interview mit Thomas Hellriegel (6.11.2002)
Interview mit Thomas Hellriegel (Okt. 2001)
Parkhöhe Bad Wildungen



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