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Ironman Hawaii 2003 - Normann Stadler (GER)::

Der Weltmeister im Duathlon von 1994 Normann Stadler war bester Deutscher auf Hawaii und hat das Feld mit seinem Ausreißversuch nachhaltig beeindruckt.

3athlon.de: Normann, du bist nach dem 3. Platz 2000 bei einem der umstrittensten Ironman Veranstaltungen der Geschichte auf Hawaii am Wochenende 4ter, und damit bester deutscher Athlet geworden. Ärgert es dich im Nachhinein sehr, dass dir die neue Windschattenregelung lediglich ein Zeitpolster von 4 Minuten verschafft hat und deine wichtigsten Verfolger durch das Fahren in der Gruppe relativ ausgeruht auf die Laufrunde gehen konnten?
Normann Stadler: Das hat mich schon geärgert. Andere Radfahrer sind ziemlich relaxed mitgerollt. Jedoch haben auch die starken Läufer bei dem Radtempo in der Gruppe richtig beißen müssen und auch stellenweise geführt, um die Gruppe zusammenzuhalten. Nicht umsonst hat es einen Tim DeBoom so im Rennen aufgestellt und auch Cameron Brown läuft sonst erheblich schneller.
Dies ist sicher auch der Grund, warum ich nicht so richtig weggekommen bin. In Hawi hatte ich erst 1:40 Minuten Vorsprung und habe gedacht, dass sie mich auf dem Rückweg bei der Gegenwindpassage noch schlucken würden, da ich dort oft ein kleines Tief habe. Als ich erfuhr, dass vorne noch Faris Al Sultan rumpowert keimte in mir die Hoffnung auf ein Duo. Er war leider bei Hawi ziemlich platt und Teamwork war unmöglich. Letzlich sind es doch noch 4:10 Minuten geworden, sicher nicht allzuviel, aber genug für Platz 4.

3athlon.de: Du hast der ARD im Interview auf dem Rad mitgeteilt, „dass es schon wehtuet“ so vorneweg zu fahren. Wieviel Kraft hast du dort verloren? Wie lange bist du überhaupt schneller gefahren, als zuvor in der großen Gruppe?
Normann Stadler: Wie bereits vorhin angedeutet ist die Gruppe sehr schnell unterwegs gewesen. Mit ein Grund, warum Lothar ganz alleine hintendran immer mehr an Boden verloren hat. Insgesamt bin ich wohl eine gute Stunde solo unterwegs gewesen, wobei die ersten 15 Minuten wirlich sehr hart waren. Sicher habe ich dort ein paar Laufkörner verloren, andererseits konnte ich endlich mein Tempo fahren und auch den Lauf selbst bestimmen. Der ist dann wiederum etwas zu schnell angegangen worden. 38:00 ist zu schnell nach so einem Ritt. Folglich fühlte ich mich recht sicher mit der angeschlagenen Pace. Wer konnte schon damit rechnen, dass Reid mit respektablen 36 vorbeiflitzen würde.

3athlon.de: Lass uns etwas spekulieren. Wie hätte das Rennen ohne die neue Regel beim Radfahren aussehen können? Platz 2 oder 3 für dich halten wir für durchaus realistisch. Wie siehst du die Sache, was ist mit den anderen starken Radfahrern?
Normann Stadler: Hinterher ist immer gut spekulieren, das Ergebnis zählt. Es jedoch durchaus eine persönliche Genugtuung, wenn einem die meisten Athleten und auch eine Paula Newby-Fraser im Ziel oder den Tagen danach sagen, dass bei regulärem Reglement der Sieger sehr wahrscheinlich Stadler geheissen hätte. Ich selbst halte Platz 2 auf jeden Fall für realistisch.

Rutger Beke kannte ich bereits und wusste, dass er ein starker Mann ist. Ganz so stark, wie am heutigen Tag hätte ich ihn nicht eingeschätzt, und er ist sicher verdienter Zweiter bei diesem Rennen geworden. An Peter Reid vorbeizukommen wäre sicher auch bei der alten Regel schwer geworden. Eine hohe 2:40er Zeit im Marathon bei guter Schwimmleistung und ordentlichem Radsplit ist eine harte Nuß.

Andererseits kann es auch einen Peter Reid, wie Tim de Boom aufstellen. Ich würde also schon etwas darum geben, zu wissen, wie er gerannt wäre, wenn er nur sich und den Mumuku und auf dem Weg nach Hawi und zurück gehabt hätte.

3athlon.de: Wie geht es mit dem Ironman Hawaii weiter? Wird es ein Marathonlauf mit Warmschwimmen und gemeinsamem Radausflug vorab?
Normann Stadler: Ich hoffe nicht! Lew Friedland hat mir zugesagt, die Hubschrauberbilder auszuwerten, ich bin aber in diese Sache Realist und prognostiziere, dass die Regel evtl. minimal modifiziert Bestand haben wird.

Die starken deutschen Radfahrer haben sich alle tierisch aufgeregt und Stefan Holzner war völlig irritiert. Ich war auch fast soweit, aber das macht aber nur nervös und vergeudet unnötig Energie. Thomas Hellriegel und ich haben uns mehrfach angeschaut und dann einen gemeinsamen Ausreißversuch gewagt. Er war aber nicht konsequent genug, bzw. Reid, Brown und DeBoom würden in so einer Situation bis ins Koma fahren, weil sie uns nicht zu zweit oder gar mit mehreren Leuten weglassen würden. Ein „Zeitfahren“ al la Hellriegel- Holzner-Stadler-Zäck könnte ein zu großes Loch reißen. Wir hätten da deutlich mehr, als ein Minütchen Vollgas geben müssen. Später habe ich am Berg eine Solofahrt initiert.

Den Ironman Hawaii kann aber noch immer ein starker Radfahrer in einem Alleingang gewinnen. Es wird vermehrt wie auf der Kurzstrecke gefahren: taktische Geplänkel verschleppen das Tempo, Uneinigkeit und gegenseitiges Belauern regiert die zweite Disziplin. Bei den Streckenlängen kann eine Solofahrt den nötigen Vorsprung einbringen, allerdings muss per Pedes noch halbwegs um die 3 Stunden gerannt werden.

3athlon.de: Welche Ziele steckst du dir für das nächste Jahr? Was steht 2004 an?
Normann Stadler: Ich werde auf alle Fälle wieder einen frühen Ironman machen und spekuliere im Sommer wieder mit dem Ironman Frankurt. Verhandlungen darüber müssen aber im Herbst noch aufgenommen werden. Dann möchte ich gerne in Mannheim in der Bundesliga starten und hoffe, dass wir mehr Drive ins Team und die Ergebnisse bekommen.

Das Highlight ist Hawaii und ich bin gewiss, dass ich es vom Kopf und auch von der Physis her schaffen kann... wenn ich einen fast perfekten Tag, wie am 18. erwische.

3athlon.de: Du hast Nina Kraft im Rennen angefeuert. Was nimmst du von deiner Umwelt im Rennen wahr? Wann kommt der Tunnelblick?
Normann Stadler: Ich nehme so ziemlich alles wahr und man muss wach sein, um auf sich und seine Umwelt reagieren zu können. Meine Freundin Sarah hat mich an den verschiedenen Punkten zusammen mit weiteren Bekannten gepusht - ebenso wie die Konkurrenz oder andere, die meinen Namen rufen.

In einem Rennen, das rund läuft, kommt der Tunnelblick erst sehr spät oder gar nicht. 2002 war es so bei mir, als ich mehr gewandert, als gelaufen bin. Dann ist es sowieso schon zu spät für eine Top-Leistung und nur das Finishen zählt.

3athlon.de: Du trainierst mit Jürgen Zäck in der Regel mindestens einen Monat vor Hawaii in San Diego bei ähnlichen Klimaverhältnissen. Wie wichtig ist eine solch lange Akklimatisation für dich? Spielen Ruhe und Meditation in der Zeit vor dem Rennen eine tragende Rolle bei der Vorbereitung?
Normann Stadler: Die Zeit in San Diego ist die konzentrierteste Trainingszeit überhaupt. Meist bin ich schon um 21:00 oder 21:30 im Bett und trainiere dort in verschiedenen Gruppen mit den Spezialisten oder auch solo. Schwimmen und das Laufen fordert einen dann mehr und für die harten Radeinheiten komme ich oft mit Jürgen Zäck zusammen. Er kennt die Gegend, wie seine Westentasche, und wir harmonieren gut.

Zudem ist man nicht so trostlos eingepfercht, wie z.B. auf Lanzarote, kann noch „normal“ Leben. Eisessen, Kaffee, Kino oder Bummeln gehört einfach dazu. Genauso, wie „Nosports“ und unrasierte Männerbeine im Gesichtsfeld.

3athlon.de: Wer trainiert dich? Wie stellst du deinen Körper auf diese „One-Day-Performance“ ein?
Normann Stadler: Momentan trainiert mich niemand, für den technischen Bereich sicher nicht optimal. Ich hoffe aber im Herbst das Schwimmen mit dem Nikar Heidelberg am Leistungsstützpunkt mehrmals in der Woche trainieren zu können. Laufen werde ich weiterhin vor allem in den harten Einheiten auf der Bahn mit Christian Stang und seiner Laufgruppe realisieren. Das Radfahren wird eher eine Sache mit mir alleine werden, aber vielleicht schaffen es Alex Taubert und ich öfters auf dem Rad gemeinsam zu trainieren. (Kai Baumgartner)

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" Der (Lauf) ist dann wiederum etwas zu schnell angegangen worden. 38:00 ist zu schnell nach so einem Ritt. Folglich fühlte mich recht sicher mit der angeschlagenen Pace. Wer konnte schon damit rechnen, dass Reid mit respektablen 36 vorbeiflitzen würde."
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