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Interview Normann Stadler: ‚Ich kann eventuell an die 2:50 laufen. Ich weiß nicht, ob ich die laufen muss.‘
O-Töne
"Wie ein neues Kapitel in Grimms Märchen." - Sebastian Dehmer über seinen Sieg bei den Weltmeisterschaften der Junioren 2001.
Interview Normann Stadler: ‚Ich kann eventuell an die 2:50 laufen. Ich weiß nicht, ob ich die laufen muss.‘
Kailua-Kona (Hi, USA) -
Normann Stadler ist „the man to beat“. Darüber sind sich alle Athleten einig. Wen man auch fragt, Stadler hat sich auch bei den „Locals“ und Einheimischen etabliert. „Do yout think, he can do it again?“ fragen mich die Hawaiianer und zugezogenen regelmäßig. Erst gestern Nacht auf dem Weg zurück vom Keiki Pond in der Nähe des Kona Aquatic Pools. 2005 sagte ich noch stets „Wenn die Bedingungen heiß und richtig windig sind, hat er eine Chance.“ Nach meinem Gespräch im Four Seasons möchte ich meine damalige Aussage für dieses Jahr abändern: „Er hat eine Chance, egal welche Bedingungen herrschen.“
3athlon.de: Normann, als Titelverteidiger aus dem Jahr 2004 musstest Du den Ironman Hawaii 2005 nach der zweiten Radpanne aufgeben. Wütend, aufgelöst und entmutigt standst Du vor dem Scherbenhaufen eines langen Trainingsaufenthalts. Du hast auch im Vorfeld und nach dem Rennen zum Ausdruck gebracht, dass Du die Anfragen der Öffentlichkeit die dem World Champion entgegengebracht werden unterschätzt hast. Wenige Tage vor dem Rennen war der Druck groß. Wie gehst Du mit dieser Saison, die ein zweites Mal auf Dich zukommt um? Gibt es Änderungen im normalen Tagesablauf? Normann Stadler: Eigentlich nichts bis auf die Tatsache, dass, das ich hier draußen wohne. Zudem habe ich eine Agentur die viele Sachen koordiniert und mich entlastet. .Die kleineren Medienanfragen werden etwas gesammelt und effektiv an mich herangetragen, oft widerholt sich ja der Typus der Fragen. Wenn man was zusammenlegt und die besten Zeiten ausmacht haben alle etwas davon. Das Training ist identisch wie in den Jahren zuvor. Nur jetzt, wo ich hier draußen wohne fahre ich zum Schwimmen nach Kona rein. Wie Du siehst, bin ich auch immer noch manchen Morgen am Pier zum Schwimmen gegen 7 Uhr, spreche mit den anderen Triathleten oder im Lava Java auf einen Kaffee. Ich denke, wir werden da entgegen den Plänen doch öfter zu Gast sein. Wenn der Trubel zu Stoßzeiten zu groß wird bin ich einfach weg vom Schuss und kann mich herrlich entspannen.
3athlon.de: „Hier draußen“, das heißt das Four Seasons? Normann Stadler: Ja, es ist halt trotzdem noch nah an der Stadt und nicht ganz in Waikoloa wie das Hilton. Es war naheliegend, dass es als Option nur diese Anlage sein kann. Ich habe auch keinen Kopf für ein Apartment, wo man dann auch noch kochen muss. Ich will mich auf den Wettkampf konzentrieren. Optimal trainieren und von unserem Masseur betreuen lassen. Ich fühle mich einfach wohl hier.
3athlon.de: Die Konzentration auf dem Wettkampf läuft also wie gehabt, mit all dem sich schon jetzt ankündigen Trubel in der nächsten Woche. Du warst auch in diesem Jahr erneut in San Diego. Erstmalig ist zu Markus Fachbach der Hannoveraner Jan Raphael dazugestoßen. Wie ist das Training gelaufen und wie harmoniert die Gruppe? Normann Stadler: Gut, San Diego ist ein optimaler Ort für mich und es hat die letzten Jahre immer gut funktioniert. Warum sollte ich das ändern? Es war nicht viel anders, als die Jahre zuvor. Es war qualitativ ein wirklich gutes Camp, mit anderen Kalibern vor allem im Schwimmen. Jan hat uns viel gezeigt wie man Schwimmen sollte, der Austausch klappt hervorragend.
Markus war am Anfang vor allem auf dem Rad noch angeschlagen wegen seiner Handverletzung von St. Pölten. Gegen Ende hat er aber auf dem Rad ein paar gute Einheiten gehabt. Er will wohl Florida machen. Ich traue Jan locker Top 10 zu, auch wenn er sich noch etwas Verhalten äußert. In eurem Interview auf 3athlon.de hat er ja auch gesagt, dass er noch nie so hart trainiert hat. Jan ist ein echter Beißer. Der kann das wegstecken und beißt sich an einem fest. Der fährt wenn es sein muss auf Teufel komm raus. Deshalb habe ich ihn ins Team geholt. So etwas mag ich und entspricht unserer Einstellung. Viele mögen San Diego nicht. Ihm hat‘s gefallen. Wir haben so ziemlich alles gemacht, wie gehabt: Die Mittwochsrunde, den Sunday Run.
3athlon.de: Ihr hattet aber auch etwas Pech und es hat Euch aus den Socken gehauen… Normann Stadler: Ja, aber das war nicht so wild. Ich weiß nicht mehr ganz genau, wann das war. Uns hat eine Erkätung erwischt, quais der ganze Pool hat gehustet. Die Erkältung hat dann schon eine Woche gedauert. Als Leistungssportler darf man nicht so viel nehmen und ich gehe da auf Nummer sicher. Meist etwas auf Kräuterbasis. Ich war fast jedes Mal bissl erkältet in San Diego. Du bist immer am Limit. Da reicht eine einzige Ausfahrt im Regen ohne richtige Kleidung. Wenn Du dann nach Hause kommst, hast Du das Kratzen im Hals. Wenn es dann erst in den Nebenhöhlen und der Stirn sitzt dauert es schlicht eine Weile. Passiert jedem Profi. Ist aber besser als sich den Zeh brechen [Anm. der Redaktion: Normann Stadler hat sich vor seinem ersten Sieg 2004 nur rund 5 Wochen vor dem Wettkampf den Zeh gebrochen].Dann schläft man nicht so gut nachts!
3athlon.de: Kannst Du jetzt gut schlafen, stimmt die Form? Normann Stadler: Ja. Ich kann immer gut schlafen, weil ich so kaputt vom Training bin.
3athlon.de: Wie sieht es bei Dir aus. Schaust Du Dir die Konkurrenz an. Analysierst Du Schwächen? Normann Stadler: Jeder guckt Jeden an. Wer etwas anderes sagt, schwindelt in meinen Augen. Jeder sieht sich im Jahr doch die Results an. Faris wird auf meine Website gucken, ich auf seine. Macca [Chris McCormack] natürlich auch. Das gehört doch zum Geschäft dazu. Man will ja nicht unvorbereitet sein. Aber in diesem Jahr wird es denke ich etwa beim alten bleiben. Die selben Gesichter ganz weit vorne. Craig Alexander kommt evtl. noch vorne rein oder Vanhoenacker.
3athlon.de: Du hast neues Bike? Ist die Entscheidung im Windkanal gefallen? Normann Stadler: Nein, wir waren nicht im Windkanal. Das ist mir dann doch zu stressig geworden. Ich bin es zur Probe gefahren und hab es für gut befunden. Ich habe einen etwas anderen Sitzrohrwinkel [78,5°]. Darum sitze nicht mehr auf der Nasenspitze wie früher. Insgesamt ist das etwas bequemer und der Druck sollte besser auf die Pedale kommen. Wenn er am Renntag da ist.
Aerodynamisch ist es auch etwas optimierter. Neben dem flächigen Design sind die Bremsen versteckt. Es wird sicherlich keine 20 Minuten Verbesserung bringen, aber vielleicht sind es die entscheidenden Watt. Und der Wind bläst, das ist schön [bis zu den Ohren grinsend].
3athlon.de: A propos Wind und schnelle Radausfahrten. Ist Dir der Rekord wichtig? Du hast nach dem Streckenrekord auf dem Bike-Part noch einen für Dich sensantionellen Marathon gezeigt. Bisher hatte man Doch in die „flache 3-Stunden“ Kategorie eingeordnet… Normann Stadler: Null, ob ich 4:40 und die anderen 5:00 Stunden oder 4:18 Stunden fahre ist mir gleich. Es kommt wie es kommt. Weniger Wind wie 2005 und 2006 werden wir sicherlich nicht mehr haben. Es kommt glaub ich ein Jahr, wo es derbe wird. Es wird Bedingen wie 2004 geben.
So sieht es derzeit aus. Es bläst sehr stark und sehr schwül ist es ausserdem. Zwar nicht richtig heiß, aber das kann noch schnell kommen. Einige werden sich wundern, die die letzten 2 Jahre hier und weiter vorne waren. Wenn der Wind kommt und die Hitze, wie anstrenegend das werden kann.
3athlon.de: Versuchen wir präziser zu werden. Ist die radzeit zu toppen? Was hast Du zu Fuß im Sack? Normann Stadler: Nach 4:18 auf dem Bike im letzten Jahr war eine 2:54 „hoch“ flott. Ich kann eventuell an die 2:50 laufen. Ich weiß nicht, ob ich die laufen muss und dann auch abrufen kann. Es kommt auf das Radfahren an. Wenn die alle hart fahren, können sie auch keine Sub 2:50 mehr laufen. Das ist eine relativ klare Kiste.
Ich komme vom Laufen. Die Leute wissen, dass ich in San Diego super Laufzeiten hingelegt habe. Ich habe da also vor keinem unnötigen Respekt und habe irgendwie Angst, dass ich einbrechen könnte. Ich glaube nicht, aber das geht ruck zuck und man ist eingebrochen und geht 4 Stunden. Aber auch da muss man durch, wie damals das Gehen als ich mit Knieproblemen vom Rad bin. Das war auch ein Erlebnis verbrannt heimzukommen. Immerhin noch unter 10 Stunden, wenn ich mich richtig erinnere. Und immer noch schneller gelaufen, als auf dem Rad. Das schaffen nicht alle. Mit der neuen 10 Meter Regel muss man eh mal gucken, wie das wird. Denke, dass es damit doch anders ist. Macht Lessing eigentlich mit?
3athlon.de: Ist wohl nicht so. Er hat den Fokus auf Clearwater gelegt. Ein weiteres Thema wird derzeit im Technikbereich diskutiert. Viele sagen und auch Faris Al-Sultan, Du hättest 2005 von Deinem Speedsuit beim Schwimmen profitiert. Nicht allen Athleten stand er zur Verfügung. Siehst Du einen unfairen Vorteil oder gehört das zum Geschäft, wie Prototypen bei Lenkern, Laufrädern oder ganzen Bikes? Normann Stadler: Blödsinn mit dem Anzug. Das mag typabhängig sein. Ich glaube, die Leute haben nur nach Erklärungen gesucht und missachtet, dass der Stadler vielleicht Schwimmen gelernt hat. Ich bin heute [5. Oktober] mit Badehose Jan Raphael nachgeschwommen. Er hat alles versucht mich loszuwerden. Im Becken bin ich viel langsamer.
Wegen mir können wir ohne alles Schwimmen? Mir ist das wurscht. Letztes Jahr hatten 10 oder 15 Profis Blueseventy Pointzero an. Mittlerweile schwimmen alle diese Dinger. Wir werden am Wochenende sehen, ob er soviel bringt. Das ist ja keine Luftmatratze und kein richtig dickes Neopren. Das schwimmt ja kaum von selbst im Wasser. Glaube kaum, dass er 3 Minuten bringt. Plötzlich steige ich nach 3 Jahren hinter herschwimmen mit denen aus dem Wasser. Viele suchen natürlich eine Erklärung dafür.
3athlon.de: Letztes Jahr soll auch die Unterströmung auf dem Weg zurück für Nachteile der Führenden gesorgt haben. Normann Stadler: Keine Ahnung, habe nichts gespürt und war froh dabei zu sein. Mir liegt das raue, der ruppige Seegang. Im Pazifik wird Jan mich nicht los. Jan kann in Becken und bei ruhiger See richtig gleiten. Da draußen aber, wenn die Wellen rollen haben viele Pool-Schwimmer ein Problem. Man muss die Wellentäler lesen und durchziehen. Ich habe mehr Kraft als Technik, im Schwimmen. Das ist wohl mein Vorteil in Kona.
3athlon.de: Hast Du noch Anmerkungen zu anderen Athleten? Wir Journalisten sticheln ja ab und an ganz gerne, wenn der Befragte es verkraften kann… Normann Stadler: Das ist Jacke wie Hose, der Beste gewinnt. John Duke von der US Triathlete hat mir, als ich zu Besuch da war ein paar alte Artikel von McCormack gezeigt. In einem stand, dass er [McCormack] es nicht wie Mark Allen machen möchte und 7 Mal an der Insel scheitern will, um mal zu gewinnen. Ich glaube er ist jetzt das 7. Jahr hier [lachend]. Wenn man den Mund zu voll nimmt, ist man ruck zuck da, wo man vorher darüber gelabert hat.
Ist nicht so leicht, sollte mal den Lessing fragen. Das meine ich jetzt nicht bösartig. Beide haben großartige Rennen auf allen Distanzen abgeliefert und ich habe persönlich nichts gegen Macca. Nur nimmt Simon den Mund nicht so voll.
(Kai Baumgartner)