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Tobias 'Fuxx' Winnemöller talks: Ironman Hawaii 2007 – oder wie man sich den ganzen Tag weh tun kann.
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O-Töne
"An dem Tag, wo ich Roth und Hawaii gewonnen haben, höre ich sofort auf mit dem Triathlon." - Andreas Niedrig 2001.





Tobias 'Fuxx' Winnemöller talks: Ironman Hawaii 2007 – oder wie man sich den ganzen Tag weh tun kann.


Kailua-Kona (Hi, USA) - Schwimmen im warmen Pazifik, eine absolut tolle Erfahrung! Es sei denn 1.700 andere Leute haben rein zufällig zur gleichen Zeit die gleiche Idee. Es ist kurz nach sieben Uhr morgens, kurz nach dem Start des Ironman Hawaii. Ich liege mehr oder weniger auf den Beinen meines Vordermanns, währenddessen macht es sich jemand anders auf meinen Beinen bequem. Wie soll man denn so schwimmen?

Mit Schlenker zur Boje
Nach einem kurzen Rechtsschlenker bin ich am Rand des Feldes. Genau wie vor zwei Jahren gestaltet sich das Ganze nun etwas erträglicher. An den Bojen wird es allerdings eng, eigentlich schwimme ich auf der falschen Seite davon, aber für die Bojen muss dann ein kurzer Schlenker eingebaut werden. Aber lieber ein paar extra Meter, als ein paar extra Tritte!

Der Hinweg zur Wendeboje gestaltet sich einfach, ich schaue nicht auf die Uhr, habe aber das Gefühl sehr schnell dort angekommen zu sein. Der Rückweg zieht sich dafür ewig hin, nun herrscht Gegenströmung.

Nach etwa drei Schwimmminuten hab ich übrigens schon das Gefühl eine Scheuerstelle am Hals zu bekommen. Echt super diese neuen Schwimmanzüge, tausche eine (mögliche) Minute Zeitgewinn gegen dauerhafte Schmerzen während und als Bonus auch noch nach dem Rennen. Ich hätte mich wohl doch daran langsam gewöhnen sollen. Wie wär’s: Nächstes Jahr alle in Speedos, pink, zartrosa oder neonfarben – back to the roots!

Boden unter den Füßen
Nach schier endlosen 61min hab ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Auf dem Wunderrad geht es direkt schnell voran, Leute einsammeln. Mir ist nach kurzer Zeit klar, dass das einfach zu schnell sein muss – aber das heißt ja nicht, dass ich langsamer mache, wo bliebe denn da der Spaß? Wer nicht wagt der nicht gewinnt, oder so.

Speed-Throttle
Etwa eine Stunde später merke ich, dass wer wagt eben auch schnell mal verliert. Um ein vollständiges Ableben meiner Leistungsfähigkeit zu verhindern drossel ich die Geschwindigkeit. Glücklicherweise komm ich immer noch einigermaßen voran. Um alles noch einfacher zu machen, muss ich auch noch meine Ernährung umstellen, an den ersten Stationen gibt es nämlich keine Gels. Die aid-stations sind in meinen Augen auch der einzige verbesserungswürdige Aspekt der Rennorganisation. (wenn man mal nur das Rennen an sich sieht)

Wo ist Normann?
Irgendwo zwischen Kawaihae und Hawi kommen mir die Spitzenleute entgegen. Wo ist Normann? Wo ist Faris? Was ist hier los? Einige Kilometer später weiß ich wo Normann ist, sein Rad steht nämlich am Straßenrand. Faris bleibt unauffindbar – kein Wunder, der war gar nicht gestartet. Die Deutschen hatten die Seuche, heißt es nach dem Rennen. Aber auch einigen anderen Favoriten geht es nicht viel besser: Die stets gutgelaunte Natascha Badmann verwechselt eine Pylone mit einem Drive-In und Michellie Jones steigt ebenso krank vom Rad wie der Podium Abonnent Cameron Brown und die beiden deutschen Top 10 Kandidaten Helle und Vuckovic.

Rückenwind und Gegenwind, wie immer Wind
Der Weg zurück von Hawi nach Kona zieht sich. Gut, das erste Stück mit Rückenwind bergab ist cool, aber dann haben wir wieder leichten Gegenwind. Den hatten wir auf dem Hinweg auch schon – schön, dass der so passend dreht, wäre ja sonst zu einfach. Angenehm ist der sehr faire Rennverlauf. Die Lutscher sind anscheinend größtenteils bei den Quali Rennen trotz Lutscherei nicht schnell genug gewesen, oder in Kona wird einfach besser durchgegriffen. Klar, ein paar Penner lernen es nie, das sieht man auch auf Hawaii.

Der Sockentest
Irgendwann darf ich dann endlich laufen. Aber erst nachdem ich mir die unglaublich hässlichen Kompressionssocken angezogen habe. Ich hatte ne halbe Stunde mit dem Cheffe des Herstellers geredet, irgendwann war ich dann so weit die Dinger zu probieren, gab ja nicht viel zu verlieren. So laufe ich dann also völlig bescheuert aussehend los, anders geht das nun mal nicht mit weißen Kniestrümpfen. Da sage noch einer bei Triathleten gelte: „It’s all about the looks!“

Palani Road hinauf zu laufen ist eine Qual
Die ersten 10km des Marathons machen dann fast Spaß, ein völlig neues Gefühl an diesem Tag. Aber keine Sorge, der Spaß ist mir schon wieder vergangen. Es ist ja nicht so, dass ich es nicht hinbekommen würde, nach zu schnellem Anfahren auf dem Rad auch noch zu schnell loszulaufen. Irgendwann sinkt meine Geschwindigkeit dann natürlich, zum Glück sind die meisten anderen noch langsamer. Die Palani Road hinauf zu laufen ist eine Qual, aber zum Glück sind das ja nur ein paar Meter.

Macca in Trance
Oben auf dem Queen K kommt mir dann Macca entgegen. Er wirkt irgendwie abwesend, aber mir ist klar, dass er gewinnt. Also lupfe ich im vorbeilaufen meinen Hut, Ehre wem Ehre gebührt. Schade, dass Normann und Faris nicht mitspielen konnten. Keine Ahnung wer da das Rennen gemacht hätte, aber es wäre sicher deutlich interessanter geworden.

Wie liege ich im Rennen?
Ich mache mir nun den Spaß bis zum Wendepunkt im Energy Lab mitzuzählen, wie viele Leute mir entgegen kommen. Ich zähle 119, liege also selbst an 120. Position. Ich muss also für die Top 100 noch so etwa 15 Leute überholen, wenn man mal davon ausgeht, dass noch ein paar der mit 15min Vorsprung gestarteten Pros in der Wertung hinter mir landen, da sie eben weniger als 15min vor mir im Ziel ankommen.

Top 100 geknackt
So sammel ich dann einen nach dem anderen ein, bin aber unten am Alii Drive, gut 800m vor dem Ziel, erst bei 108. Aber ich hab noch Kraft und das Rennen ist ja erst an der Ziellinie zu Ende. Als ich vor mir noch ne ganze Gruppe Läufer sehe, beende ich den vorzeitigen Jubel und laufe noch an denen vorbei. Zum Glück bewegen die sich nicht mehr so wirklich schnell, das macht es einfacher.

Kein Ironman oder doch wieder?
Der Jubel im Ziel ist dann eher ein „endlich ist es vorbei!“  Irgendwie war das ganze Rennen ein Krampf, aber trotzdem war es auf ne kranke Art geil und mit dem 90. Platz hab ich’s ja auch noch ganz ordentlich nach Hause gerettet. Ein paar Tage später bin ich mir dann auch sicher, dass ich bald wieder nen IM machen werde. Allerdings hat diese Entscheidung noch nie zuvor so lange gedauert.

Empfehlung mit Sternchen
Der Ironman Hawaii ist in jedem Fall allen zu empfehlen. Es ist ein (fast) perfekt organisiertes Rennen mit meiner Meinung nach einzigartiger Atmosphäre. Klar, nicht alle mögen Wüste und Einsamkeit – und davon bekommt man an diesem langen Tag eine ganze Menge. Aber man sollte es doch mal ausprobiert haben, bevor man sagt, dass man es nicht leiden kann. Wer Kommerz nicht mag, der sollte halt versuchen außerhalb von Kailua-Kona zu wohnen und vielleicht auch Carbo- und Awards-Party meiden. Auf Zielbereiche wie in Frankfurt oder Zürich braucht man bei US Rennen eh nicht zu hoffen. Dafür entschädigt aber das größte Aquarium der Welt im Zielbereich. Wer Lust hat geht einfach noch mal mit den Fischen schwimmen...

Aloha und mahalo fürs lesen und Daumen drücken,
Tobias

PS: Die Socken kann man sich übrigens getrost schenken. Mir bringen se zumindest nix, außer natürlich zusätzlichen Sekunden in der Wechselzone und einem roten Kopf vor lauter Peinlichkeit. Stören tun se aber auch nicht. Die Dinger fühlen sich aber nach dem Rennen ganz gut an, für den heutigen Reisetag hab ich die auch angezogen.
(Tobias Winnemöller, Kai Baumgartner)

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Irgendwo zwischen Kawaihae und Hawi kommen mir die Spitzenleute entgegen. Wo ist Normann? Wo ist Faris? Was ist hier los?
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