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Interview mit Yvonne Van Vlerken, Inhaberin der Weltbestzeit im Langdistanz-Triathlon zu Ironman, Training, Konkurrenz, ihrem Start bei der Ironman EM in Frankfurt und Doping: Teil I
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"An dem Tag, wo ich Roth und Hawaii gewonnen haben, höre ich sofort auf mit dem Triathlon." - Andreas Niedrig 2001.





Interview mit Yvonne Van Vlerken, Inhaberin der Weltbestzeit im Langdistanz-Triathlon zu Ironman, Training, Konkurrenz, ihrem Start bei der Ironman EM in Frankfurt und Doping: Teil I


Die Niederländerin Yvonne Van Vlerken hat sich als derzeit schnellste Frau auf der Langstrecke überraschenderweise für 2009 zu einem Start bei den Europameisterschaften im Ironman in Frankfurt am Main entschieden. Grund genug für 3athlon.de bei der frisch am Wochenende durch den Nederlands Triathlon Bond gekürten dreifachen Gewinnerin des „Thea Sybesma Awards“ und ihrem Manager Thomas Vonach nachzuhaken.

Kai Baumgartner, 3athlon.de: Yvonne, erneut meinen Glückwunsch zur Silbermedaille bei der WM im Ironman Hawaii Triathlon. Nach der Weltbestzeit in Roth war dieses Debüt sicherlich ein Meilenstein in Deiner Karriere. Wie bewertest Du den sonnigen Oktobertag rund um Kailua-Kona, Hawaii?

Yvonne Van Vlerken: Es war einfach eine sehr schöne Erfahrung. Ich habe wie bei den anderen Langdistanzen auf mein Gefühl vertraut und so ist es eigentlich sehr gut gegangen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich doch einige Fehler gemacht, aus denen ich aber auch gelernt habe. Ich werde nächstes Jahr sicherlich noch viel besser vorbereitet ins Rennen gehen und auch darauf achten, dass ich frischer wie dieses Jahr an den Start komme.

3athlon.de: Erzähl uns bitte noch etwas mehr vom Renntag. Wie waren das Schwimmen, die wohl noch immer schwächste Disziplin, das Radfahren und der Marathon?

Yvonne Van Vlerken: Schon im Vorfeld haben wir im Höhentrainingslager mit unserem Schwimmtrainer Tim Thornton sehr intensiv am Schwimmen gearbeitet, sofern es meine immer noch lädierte Schulter zuließ. Thomas hat dem Schwimmen große Bedeutung  gegeben. Im Pool und im Süßwasser mit Anzug ging es sehr gut, da konnte ich locker mit Tommy mithalten, im Meer habe ich einfach noch etwas zu wenig Erfahrung und kann meine Technik nicht optimal einsetzen. Wir haben das gewusst und dann mehr auf die Ökonomie, denn auf Schnelligkeit gesetzt. Man kann in einem Jahr nicht das Rad neu erfinden. In Roth bin ich 53 hoch geschwommen, mit Neo im Süßwasser. Nun muss ich noch im Salzwasser klarkommen. Wir haben herausgefunden, dass es mit der Lage meiner Beine und meinem Körperschwerpunkt zu tun hat.
Beim Rennen hatte ich in Kona bis zum Wendepunkt eine sehr gute Gruppe, leider habe ich dann genau den Fehler gemacht, vor dem mich Thomas gewarnt hatte: ich habe durch einen Fehler meiner Vorderfrau den Anschluss verloren und es verpasst das Loch zuzumachen. Das hat mich dann doch wahrscheinlich etwa 4 Minuten gekostet. Doch dafür kam ich, wie gesagt, sehr ökonomisch durch.

Am Rad ist es, wie immer, super gelaufen und ich konnte die schnellste Radzeit holen. Vorher hatte ich schon angekündigt, dass ich mit meinen 48er Cervelo mit den winzigen 26-Zoll Laufrädern unter dem Wind durchfahren würde (lachend), das hat im Rennen super geklappt.

Wir haben die Strecke vorher gemeinsam analysiert und die Taktik war eigentlich wie immer ausgelegt: bis zum Wendepunkt schön durchziehen. Von Hawi runter sind mir meine geringe Angriffsfläche und die unzähligen Trainingsfahrten nach „El Golfo“ auf Lanzarote sehr entgegengekommen. Dort habe ich schon im Jänner im Aerolenker liegend geübt im böigen, harten Seitenwind zu segeln, nur dort hast du noch etwas weniger Platz auf der Straße, was für Adrenalinschübe sorgt(lachend). Nach dem Wendepunkt habe ich angefangen Druck zu machen, es war auch sehr motivierend die ganzen Mädels einzusammeln, das hat schon Riesenspaß gemacht und die Zeit nach Kona zurück ist wie im Flug vergangen.

Fast zu schnell, denn plötzlich war ich da und hatte gar nicht so viel Zeit im Kopf, um mich auf das Laufen einzustellen.
Am Anfang auf den ersten Laufkilometern hatte ich schon einen gewissen Respekt in meinem Hinterkopf, vielleicht auch ein bisschen Angst. Ich war auf den ersten 15km am Ali´i Drive einfach zu vorsichtig, wie sich später herausstellte, denn ich merkte danach wie gut es eigentlich ging, doch da waren schon wertvolle Minuten verloren.

Allerdings muss ich anmerken, dass ich mit einem Lächeln auf den Lippen knapp hinter Belinda Granger vom Rad kam und ich wusste, dass ich bald Zweite sein werde. Nach vorne zu Chrissie war da schon ein Riesenloch und da fehlte auch ein bisschen die Motivation und Erfahrung. Der Marathon war konstant, aber sicherlich nicht mein Bester bisher und ich bin ein wenig auf Öknomie geachtet, hatte aber die Abstände nach hinten schön unter Kontrolle.

Im Energy Lab habe ich dann gesehen wer von hinten wirklich noch kommen könnte, Sandra (Wallenhorst) und Erika (Csomor) liefen da gerade miteinander. Der Abstand war für mein Gefühl deutlich genug. Aus dem Energy Lab raus kam mir Tommy entgegen, das hat mich sehr gefreut, dass er so gut dran ist nach seiner schweren Verletzung. Das hat mir einen richtigen Boost gegeben und ich bin dann relativ entspannt dem Ziel entgegengelaufen. Da habe ich dann schon auf den letzten zehn Kilometern versucht zu begreifen, was es bedeutet hier beim ersten Antreten gleich Zweite zu werden, bei einem Rennen, dass ich bis dato als nicht passend für mich einschätzte (lachend)

3athlon.de: Im Jahr zuvor konntest Du bereits „Kona-Vibrations“ schnuppern und die Energie und Atmosphäre der Vulkaninsel einatmen. Bei einem Vergleich einer aktiven Teilnahme und dem Part einer Profi-Athletin, die das Rennen im Vorfeld eines Starts ein Jahr zuvor analysiert und lesen will - wie haben sich bestehende Eindrücke bestätigt? Oder haben sich manche Dinge völlig anders entwickelt?

Yvonne Van Vlerken: Es ist mir leichter vorgekommen wie ich eben nach dem passiven Erlebnis im letzten Jahr erwartet habe. Von außen hatte ich das Rennen als unglaublich schwer empfunden. Tommy und Mario (Huys) haben mir mehrmals gesagt, dass die Strecke perfekt für mich wäre. Das habe ich niemals geglaubt. Ich dachte ich werde im Meer ertrinken, auf dem Rad von der Straße geblasen werden und dann endlich beim abschließenden beim Marathon in die Luft gehen (lachend).

Das ist dann glücklicherweise doch nicht ganz so gekommen. Die Schwimmstrecke war nicht einfach, aber das habe ich vorher gewusst. Das restliche Rennen hat sich wesentlich einfacher angefühlt, als erwartet. Vielleicht war es gut mich mental auf etwas sehr Hartes einzustellen, so war es dann subjektiv empfunden nicht so schlimm. Ich hatte Spaß und ich glaube das ist der Grundstein für eine gute Leistung.

3athlon.de: Weltbestzeit, eines der heißen Themen 2008. Schließlich wurde Deine Bestzeit bei einer Langstrecke aufgestellt, die nicht zur Ironman-Weltserie gehört. Die Hannoveranerin Sandra Wallenhorst hat zwar am gleichen Wochenende im österreichischen Klagenfurt ebenfalls die alte Bestzeit von Paul Newby Fraser bei einem offiziellen Ironman unterboten, war aber dann wenige Minuten langsamer als du. Droht dem Triathlon ein ähnliches Wirrwarr, wie den Box- und Kampfsportverbänden? Wie wichtig ist der Rekord für Dich und ist eine Weltbestzeit bei einem „offiziellen“ Ironman von herausragender Bedeutung oder eine Marginalie, die hinter einer guten Platzierung und gutem Rennverlauf zurücksteht?

Yvonne Van Vlerken: Bei meinem Debüt in Roth 2007 hatte ich ja den Rekord schon fast geknackt. Es war meine erste Langdistanz, wir wussten weder die Rekordzeit bei den Damen noch haben wir dieses Ziel definiert gehabt. Dieses Jahr habe ich dann speziell darauf hin gearbeitet, war im Windkanal bei Endless-sports, habe meine Ernährung umgestellt, mein Gewicht reduziert und das gesamte Material optimiert. Alles für dieses Ziel.

Die Weltbestzeit war mein großer Traum. Ich klammere mich jetzt aber nicht an diese Weltbestzeit, denn auch wenn jetzt eine andere Athletin meine Marke unterbieten würde, so werde ich doch als jene in die Geschichte eingehen, die den als fast unbrechbar geltenden Rekord nach 14 Jahren geknackt hat. Das war mein Ziel.

Die mediale Diskussion bezüglich dem Rekord unter „Ironman“-Logo in Klagenfurt hat mich amüsiert, die gesamte Fachwelt sowie Sportjournalisten haben früh die schnellste Zeit über die „Ironman“- Distanz beim Traditionsrennen in Roth anerkannt. Mir war wichtig den Rekord dort zu brechen wo ihn Paula (Newby-Fraser) aufgestellt hatte. Das hat ihn für mich wertig gemacht und nicht ein Logo oder eine Marke.

Sandras Zeit war super und ihre Leistung ist unglaublich hoch einzuschätzen. Sie war aber eben nicht die Schnellste. Und um sportlich fair zu bleiben müssen wir ja eigentlich anmerken, dass auch Erika (Csomor) bei unserem Duell in Roth noch ein paar Sekunden schneller war als sie. Ich denke weder die WTC noch eine andere Organisation kann in unserem Sport darüber entscheiden, was anerkannt wird oder nicht. Die ITU sieht keine Bestzeiten vor. Es gibt die Distanz und die Zeit, das reicht für die Menschen zur Meinungsbildung im Triathlon aus, einen Vergleich zum Boxen kann ich hier nicht ziehen.

Ich freue mich auf das Rennen beim Frankfurter Sparkasse Ironman Germany. Dort geht es um einen spannenden Rennverlauf bei den Damen, das Match Deutschland gegen Holland und darum zu zeigen, wie faszinierend unser Sport sein kann. Das ist mein Ziel für dieses Rennen, natürlich möchte ich auch gewinnen (lachend).

Wenn Sandra und ich uns dort ein packendes Rennen liefern werden, kann das ebenso in die Geschichte eingehen wie eine Bestzeit, diese Bilder bleiben dann vielleicht noch mehr im Kopf der Menschen verankert wie eine Rekordmarke. Ich denke nicht, dass in Frankfurt eine neue Bestzeit möglich ist und das wird auch nicht unser Ziel sein. Vielleicht ein neuer Streckenrekord, wenn Sandra und ich uns gegenseitig dazu antreiben…
(Kai Baumgartner)

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Yvonne Van Vlerken sicherte sich beim Debut Silber in Kona bei der Ironman WM.
Foto: Matthias Popp



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