
10 Jahre World Anti-Doping Agentur (WADA).
Montreal (CAN) - Die World Anti-Doping Agency (WADA) wird 10 Jahre alt. 1999 in Lausanne, Schweiz gegründet konnte sich die unabhängige Kontroll- und Moralinstanz politisch in den letzten 4-5 Jahren insbesondere durch den neuen WADA Code von 2009 deutlicher durchsetzen, sieht sich aber zunehmend wirtschaftlichem, rechtlichem Druck und den starken Lobbyisten des organisierten Sports ausgesetzt.
Die WADA verfolgt eine rigorose Null-Toleranz-Haltung gegenüber Doping. Die derzeitige Anti-Doping-Regeln sehen vor, dass Athleten sieben Tage die Woche eine Stunde lang für unangemeldete Kontrollen verfügbar sein müssen. Ferner müssen sie verbindlich drei Monate im voraus festlegen, wo sie wann auffindbar sind. Die Kontrolleure sind angehalten, im Zweifelsfalle (d.h. auch bei kleinen Formalfehlern) gegen den Athleten zu entscheiden. Drei Verstöße binnen 18 Monaten gelten als positive Dopingprobe und ziehen eine automatische Sperre nach sich.
Die WADA wertet darüber hinaus (Artikel 2.3) eine nicht sofortige Dopingkontrolle bzw. „Unterbrechung des visuellen Kontaktes mit dem betreffenden Sportler“ automatisch als „absichtliche Verhinderung des Tests“. Dies wird ebenfalls als positiver Test gewertet und führt zu einer nicht verhandelbaren Sperre von 12 Monaten. Ebenfalls wird immer davon ausgegangen, dass für eine verspätete Dopingprobe immer der Sportler in der Bringschuld steht und nicht der Kontrolleur.
Es wird engmaschiger mit mehr Budgets kontrolliert und die weißen Flecken auf der Weltkarte - Länder in denen keine funktionierenden Ableger Nationaler Anti-Doping Agenturen vorhanden sind oder die WADA keinen Zugriff erhält - schwinden. Allerdings wächst im gleichen Maße die Kritik am elektronischen Meldesystem ADAMS (Anti-Doping Administration & Management System):
Die Reaktion seitens der Athleten auf die harte WADA-Linie ist auf breiter Front negativ. Insbesondere vom Fußball wird die WADA hart kritisiert.
Unisono beschreiben die Fußballorganisationen FIFA (weitweiter Dachverband), UEFA (europäischer Dachverband) und die deutsche DFB die WADA-Methoden als übertrieben. FIFA-Präsident Sepp Blatter bezeichnete die Überwachung als „Hexenjagd“ und halten die Dopingtestpflicht während eines Urlaubes als „inakzeptabel“. Dieses Urteil wurde auch im Namen der UEFA gefällt, und auch DFB-Präsident Theo Zwanziger nannte die WADA-Maßnahmen „übertrieben“. Wada-Sportdirektor David Howman reagierte auf diese Äußerungen „entsetzt“ und drohte mit einem Olympiaausschluss für die Sportart Fußball.
Der belgische Anwalt Kristof de Saedeleer klagte 2009 im Namen von 65 belgischen Athleten gegen diese Regelung. Er nannte sie „paranoid, entwürdigend und drakonisch“ und prangerte Einschnitte in die Privatsphäre sowie das Außerkraftsetzen der Unschuldsvermutung an. Auch die internationale Fussballspieler-Gewerkschaft FIFPro, die 42 Länder vertritt, kündigte Klagen an. Sie argumentieren, dass eine 365-Tage-Kontrolle nicht mit dem Recht auf Urlaub (in Europa Minimum 20 Tage) vereinbar sei. Dopingexperten sehen auch einen Konflikt mit Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens): „Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz... Eine Behörde darf in die Ausübung dieses Rechts nur eingreifen, soweit der Eingriff gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist.“
Welches Fazit kann man für die Doping-Jäger und Wächter über die Einhaltung des Regelwerks, die seit 2002 im kanadischen Montreal residieren ziehen?
10 Jahre WADA bedeutet insbesondere auch für den einzelnen Sportfachverband Verantwortung gegenüber dem Sportler. Aber auch den Spagat der Funktionäre zwischen den wirtschaftlichen Förderern und zwingend nötigen sportlichen Erfolgen auf der einen und der moralisch- gesellschaftlichen Glaubwürdigkeit im Sport auf der anderen Seite. Schließlich beruht dessen Fördersystem in Deutschland maßgeblich auf dem Geldsäckel der Steuerzahler und des staatlich legitimierten Glückspiels der Lotteriesysteme.
Ein Dopingfall oder eine handwerkliche Unregelmäßigkeit bei der Einhaltung und Umsetzung des WADA Codes bedeutet in Deutschland das sportpolitische Aus für die verantworltiche Person und birgt auch ein ganzes Portfolio von haftungsrechtlichen Fragen für den Verband.
(kb mit Material von Wikipedia)
Links
WADA über sich selbst und 10 Jahre WADA
Ergebnisse und Diskussion im Forum auf 3athlon.info
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