Hawaii Special 2002 - Ironman History ::
Mythos Ironman
Ironman ist heute weltweit Synonym für qualitativ hochwertigen, medienwirksamen
und anstrengenden Ausdauerdreikampf. Ironman hat maßgeblich zur
großen und nachhaltigen Popularität der relativ jungen Sportart
Triathlon beigetragen und stellt auch heute noch, trotz der Vielzahl anderer
Veranstaltungsserien und Streckenformate, das Non Plus Ultra des Triathlons
dar. Die Ironman Weltserie, die mittlerweile jedes Jahr über 10.000
enthusiastische Athleten und Athletinnen weltweit, bei Rennen rund um
den Globus an den Start bringt, begann ganz klein im Jahre 1978 im pazifischen
Inselparadies Hawaii.
Obwohl es mittlerweile zahlreiche attraktive Ironman Rennen an weniger
weit entfernten Orten gibt bleibt die Teilnahme am Ironman in Hawaii das
Traumziel aller ambitionierten Ausdauerdreikämpfer. Hawaii ist ein
Mythos und wird dieser Rolle auch immer wieder gerecht. Jedes Jahr finden
sich im Oktober etwa 1500 Starter und unzählige Fans in der kleinen
Ortschaft Kailua Kona an der Westküste von Big Island zu einer Art
Woodstock des Triathlonsports zusammen. Die wunderbare, tropische Atmosphäre,
das herrlich klare blaue Meer, die allgegenwärtigen Blumenkränze
und das Lächeln der Leute machen es einfach sich gut zu fühlen,
denn selbst in den verhältnismäßig hektischen Ironmanwochen
ist in Kona alles ein wenig gelassener als zu Hause im Alltagsstress und
diesen Vibrations kann sich auch der verbissene Athlet nicht so einfach
entziehen.
An kaum einem anderen Ort kann man sich den Elementarkräften Hitze,
Wasser und Wind intensiver aussetzten, als beim Ironman Rennen auf Big
Island. Auf der Schwimmstrecke durch den kristallklaren, lauwarmen Pazifik
macht man Bekanntschaft mit der Dünung des gewaltigen Ozeans. Auf
der Radstrecke können heftige Winde den Weg durch die flimmernde
Lavawüste zur Tortur machen, und beim abschließenden Marathonlauf
sind die Athleten dankbar für jedes Bisschen an Schatten und Kühlung.
Alles ist in der Ironman Woche ist auf den großen Tag ausgerichtet
und jeder ist irgendwie an der Ironmania beteiligt. Vom morgendlichen
Ritual des Massenschwimmtrainings mit Tratsch und Klatsch am Pier, über
Hammerradeinheiten durch die Lavawüste, bis zum abendlichen Plündern
eines "all you can eat"Buffets, wird der gesamte Tagesablauf
von den Vorbereitungen auf das Rennen dominiert. Die Besonderheit des
Rennes resultiert, neben der Tatsache, dass es der Ursprung der Sportart
ist, aus dem intensiven Kontakt mit den Elementen der Pazifikinsel und
der, bis ins Detail perfekten Organisation die vom unglaublichen Enthusiasmus
der zahllosen freiwilligen Helfer getragen wird.
Für alle die es interessiert wurde im Folgenden die Geschichte des
Ironman Hawaii in unterhaltsamer Form zusammengefasst.
1978 - Die Premiere
Der erste Ironman Triathon der Geschichte markiert die offizielle Geburtsstunde
des Triathlon und fand am 18 Februar 1978 auf der Hawaiianischen Hauptinsel
Oahu statt. Zuvor hatten sich ein paar verrückte Kerle bei der Siegerehrung
einer Laufveranstaltung nach ein paar Bierchen gefragt, welche Ausdauersportler
denn die fittesten seien, die Schwimmer, die Läufer, oder vielleicht
die Radler? Der Navy Mann John Collins kann sich irgendwie von der Diskussion
lösen und kommt mit dem wunderbaren Vorschlag den besten Sportler
in einem Wettkampf zu ermitteln, der drei renommierte lokale Wettkämpfe
in den Sportarten zu einem zusammenfasst. So entstand aus dem traditionsreichen
2.4 Meilen Waikiki Rough Water Schwimmen, dem 112 Meilen Around Oahu Radrennen
und dem Honululu Marathon der erste Ironmanwettkampf.
Immerhin 15 Männer fanden sich an diesem denkwürdigen Tag am
Start ein, und zwöf von ihnen finishten dann auch früher oder
später das Rennen. Erster wurde in bemerkenswerten 11:46 Stunden
ein gewisser Gordon Haller. Der erste Ironman war übrigens mitnichten
der erste Triathlon. Der erste dokumentierte, kleine Prototriathlon fand
am Mittwoch den 25 September 1974 in Mission Bay, San Diego statt. Der
Event wurde von Don Shanahan und Jack Johnstone ins Leben gerufen und
fand mit den Jahren mehr und mehr Freunde. Unter den Startern waren in
diesen Zeiten auch Namen die man später in den Siegerlisten des Ironman
Hawaii finden sollte, nämlich die beiden San Diego Locals Tom Warren
und Scott Tinley.
1980 - Der Durchbruch
Ein Bericht vom Ironman 1979 in der größten amerikanischen
Sportzeitung bringt einen Aufschwung. Der Fernsehsender ABC bekommt die
Übertragungsrechte und macht einen erstklassigen Bericht, der dem
Ironman zu weltweiter Bekanntheit verhilft. 108 Teilnehmer, darunter 2
Frauen sind am Start. Nicht nur bei der Teilnehmerzahl und dem Medieninteresse,
sondern auch bei der Siegerzeit gibt es einen Quantensprung. Der später
legendäre Dave Scott tritt auf den Plan und gewinnt in der für
damalige Verhältnisse beachtlichen Zeit von 9:24:33. Sein Name wird
von nun an fest mit dem Ironman Hawaii verknüpft bleiben. Siegerin
wird Robin Beck in 11:21:24.
1981 - Der Umzug
Valery Silk, die neue Renndirektorin entscheidet sich für einen Umzug
des Ironman in die heiße, zerklüftete Lavalandschaft der Kona
Coast von Big Island. Eine gute Entscheidung, denn man muss bezweifeln,
ob sich der Ironman im Verkehrschaos von Oahu zu dem Rennen entwickelt
hätte, dass er heute ist. Außerdem mal ehrlich, es geht doch
nichts über die ruhigen Abende auf dem Kailua Pier und den Kampf
gegen Wind und Hitze auf den unendlichen Geraden auf dem Highway 19. Der
Vorjahressieger Dave Scott ist nicht mit von der Partie, aber mittlerweile
326 Starter, darunter Scott Tinley der Dritter wird. Die Olympiaradlegende
John Howard gewinnt den ersten Ironman auf Big Island in 9:38:29, Frauensiegerin
wird Linda Sweeny mit 12:00:32.
1982 - Das Double
Im Jahr 1982 wird das Rennen auf Oktober verlegt, um bessere Trainingsbedingungen
für Athleten aus Europa und Nordamerika zu ermöglichen. Es gibt
also zwei Rennen in diesem Jahr. Einen weiteren Meilenstein stellt der
Einstieg von Budweiser als Titelsponsor dar - es gibt doch Bier auf Hawaii.
Der Ironman wird nun für viele Jahre BudLight Ironman heißen.
Das Starterfeld wächst weiter und im Februar starten 580 Athleten.
Auch Dave Scott ist wieder dabei, allerdings schafft er es diesmal nicht
den Wettkampf für sich zu entscheiden. Der blonde Sonnyboy Scott
Tinley hat zusammen mit Tom Warren und ein paar Kumpels zu Hause in San
Diego in der Sauna auf dem Ergometer trainiert und ist bestens vorbereitet.
Er gewinnt in der neuen Bestzeit von 9:19:41. Sein Bruder Jeff Tinley
wird Dritter hinter Dave Scott. Bei den Damen gewinnt Kathleen Mc Cartney
vor Julie Moss die in Führung liegend wenige Meter vor der Finishlinie
kollabiert und sich auf allen Vieren über die Ziellinie schleppt.
Dank ABC-Berichterstattung ist dieses Spektakel früher oder später
auf den Fernsehschirmen der Welt zu sehen, verrückt oder sogar abstoßend
für die einen, und faszinierend und Inspiration und Antrieb sich
der Herausforderung Triathlon zu stellen für die anderen. Einer dieser
Menschen, die kriechende Julie Moss auf ihrem Weg über die Finishlinie
bewundern, ist der junge Kalifornier Mark Allen, der von diesem Moment
an in Hawaii gewinnen will.
Im Oktober sind Dave Scott und Scott Tinley wieder am Start. Dave Scott
hat seine Hausaufgaben gemacht und gewinnt mit einem neuen Streckenrekord
von 9:08:23. Jeff Tinley wird wieder Dritter. Im Damerennen wird die 11
Stunden Marke von Julie Leach in 10:54:08 durchbrochen.
1983 - 1984 - Dave Scott und Sylvianne Puntous
In den folgenden Jahren werden die Rennen von Dave Scott bei den Herren
und dem Zwillingspaar Sylvianne und Patricia Puntous aus Kanada bei den
Damen dominiert. Scott durchbricht als erster Mann die 9 Stunden Marke
bei einem Ironman Rennen, ein Meilenstein, die 8 Stunden werden erst 12
Jahre später beim Ironman Europe durch Lothar Leder bezwungen werden.
1985 - Aerolenker
Scott Tinley startet als erster und einziger mit einem Aerolenker, den
er sich von einem RAM Starter abgeschaut hat. In Abwesenheit von "The
Man"Dave Scott setzt er eine neue Streckenbestmarke von 8:50:54.
Als Dritter zum ersten Mal in der Ironmangeschichte kein Amerikaner, sondern
der Schweizer, Karl Kupferschmidt. Hannes Blaschke aus dem Allgäu
ist bereits zum zweiten Mal dabei, wird sensationeller Vierter und hat
von da an acht Jahre lang die Ehre die beste Platzierung eines Deutschen
auf Hawaii erreicht zu haben. Die 23jährige Paula Newby-Fraser und
spätere „Queen of Kona“ macht ihren ersten Ironman, es
gewinnt Joanne Ernst in 10:25:22. Der Ironman ist mittlerweile ein international
besetzter Event mit Startern aus 34 Ländern.
1986 – „The Man“ is back
100.000 US$ Preisgeld locken den bereits von Hawaii zurückgetretenen
Dave Scott noch mal hinterm Ofen hervor. Damit er auch ganz sicher gewinnt
gibt er sich im Training so richtig die Kante und verbessert den Streckenrekord
mit einem 2:49er Marathon um 20min auf ganze 8:28:37. Eine Zeit die auch
in den letzten Jahren noch regelmäßig für eine Top 5 Platzierung
gut ist. Auch bei den Frauen fällt der Streckenrekord, Paula Newby-Fraser
siegt in 9:49:14.
1987 - Dave Scott zum sechsten
Der Ironman hat mit etwa 1400 Teilnehmern seine heutige Größe
erreicht und ist zu einem Medienspektakel
geworden, das immer mehr Sportler und Zuschauer in seinen Bann zieht.
Überall auf der Welt fahren Menschen in lächerlich bunten Badehosen
mit rasierten Beinen auf dem Rad herum, reden von Aerolenkern und träumen
von der Ziellinie am Pier in Kailua Kona. Die Triathlonmania beginnt in
Deutschland und Dave Scott gewinnt in 8:34:13 seinen sechsten und wohl
auch letzten Ironmantitel. Bei den Frauen kommt es zu einem Duell von
zwei Damen die in den nächsten Jahren dominieren werden. Erin Baker
aus Neuseeland schlägt die Vorjahressiegerin Paula Newby-Fraser in
neuer Rekordzeit von 9:35:25.
1988 - Paula Newby-Fraser
Mit einer surrealen Performance holt sich Paula Newby-Fraser in 9:01:01
den zweiten Titel. Während Dave Scott an einer Verletzung laboriert
und Mark Allen wie bereits in den drei Jahren zuvor mit Problemen zu kämpfen
hat, nutzt Scott „the Terminator“ Molina seine erste und letzte
Chance und gewinnt endlich den Ironman Hawaii in 8:31:00. Die 26 jährige
Brasilianerin Fernanda Keller ist am Start, wird abgelichtet und findet
sich als Poster in der Zeitschrift Triathlet wieder. Ein „Must have“
in der Postersammlung eines jeden Ironman Fans.
1989 - Der Showdown
Im Jahre 1989 ist alles am Start was zu diesem Zeitpunkt in der Welt des
Triathlon Rang und Namen hat, und einige die diesen Status viel später
erreichen werden. Dave Scott, Mark Allen, Scott Tinley, Pauli Kiuru, Jürgen
Zäck, Ken Glah, Paul Huddle, Peter Kropko, Greg Welch, Rob Barel,
Wolfgang Dittrich, Jeff Devlin, und eine 22jährige Namens Lori Bowden
aus Toronto.
Das Rennen konzentriert sich aber nur auf zwei Männer, die sich acht
Stunden lang nichts schenken. In einem legendären Kopf an Kopf Rennen,
vielleicht dem spannendsten Ironmanduell aller Zeiten, muss Dave Scott
schließlich am kleinen Hügel, kurz vor der Stadt die Waffen
strecken und Mark „The Grip“ Allen ziehen lassen.
Dieser siegt mit knapp einer Minute Vorsprung in 8:09:15. Allen läuft
an diesem Tag einen 2:40er Marathon, diese Zeit ist bis heute ungeschlagen.
Mark Allen bekommt den Spitznamen „The Grip“.
Greg Welch kommt 22 Min. hinter Dave Scott als Dritter ins Ziel. Bester
Europäer wird der Finne Pauli Kiuru als Fünfter, bester Deutscher
Jürgen Zäck auf Platz Sieben. Paula Newby-Fraser scheitert diesmal
nur noch knapp an der 9 Stundenmarke und siegt in 9:00:56.
1990 - Neue Strecke
In diesem Jahr gibt es eine Änderung der Laufstrecke. Wo bisher nach
der Wechselzone direkt Richtung Norden abgebogen wurde geht es jetzt zunächst
einmal nach Süden, den Berg wieder hinab in den so genannten Pit,
das glühend heiße Dead End des Alii Drive. Der Wendepunkt auf
dem Highway 19 hinterm Flughafen wird ins Natural Energy Lab verlegt,
mit diesen Änderungen vermeidet man eine Menge Autoverkehr und schafft
zwei neue Höhepunkte auf der Marathonstrecke. In Abwesenheit von
Dave Scott kämpft Mark Allen allein an der Spitze und siegt in 8:28:17
vor Tinley und Kiuru. Vier Europäer schaffen es in die Top Ten. Die
Neuseeländerin Erin Baker holt ihren zweiten Titel vor Paula Newby-Fraser.
1991 - Gatorade Ironman
1991 wechselt der Titelsponsor, Gatorade ist ein idealer Partner für
die im Vorjahr gegründete Worlc Triathlon Corporation (WTC). Die
Fernsehrechte gehen an den US Sender NBC der von nun an regelmäßig
großartige Features vom Ironman Hawaii bringt und damit etliche
Fernsehpreise einsammelt. Mark Allen bezwingt Greg Welch und Jeff Devlin,
sein dritter Sieg in Folge. Bemerkenswert: drei Holländer schaffen
es unter die ersten 15. Paula Newby-Fraser überquert als 26te die
Ziellinie am Pier und gewinnt souverän. Erin Baker wird diesmal Zweite.
1992 - Rekordjahr
In diesem Jahr herrschen gute Bedingungen auf der Radstrecke. Es gibt
wenig Wind der den Athleten zu schaffen macht und Jürgen Zäck
schraubt die Radbestzeit auf 4:32:28 herunter. Mit ihm steigen Mark Allen,
Pauli „Mr. Polar“ Kiuru, "Wolle"Dittrich und Christian
Bustos vom Rad. Mark Allen, der seit 1989 nicht mehr langsamer als 2:44
gelaufen ist, kann sich im NEL von Christian Bustos lösen und läuft
noch ganze 7 Minuten Vorsprung heraus, neuer Streckenrekord in 8:09:08.
Plätze 3, 4 und 5 gehen an die Europäer Kiuru, Dittrich und
Zäck.
Auch Paula nutzt die Gunst der Stunde für eine neue Radbestzeit außerdem
kann sie endlich die 9-Stunden Marke knacken und stellt mit 8:55:28 eine
Bestmarke auf, die noch heute Bestand hat. Die Kanadierin JulieAnn White
wird zweite mit 27 Minuten Rückstand, vor der Holländerin Thea
Sybesma.
1993 - Paulis Versuch
Noch mal bessere Bedingungen, es gibt wieder neue Radbestzeiten. Die gleiche
Gruppe wie im Vorjahr erreicht gemeinsam die zweite Wechselzone. Pauli
Kiuru fasst sich ein Herz, schaltet seinen besten Freund, den Pulsmesser
aus und läuft die ersten hügeligen 10km bis nach Kona in lässigen
35 Minuten. Allen bleibt cool und lässt sich vom Bluff des Finnen
nicht beeindrucken. Auf der langen Geraden hinunter ins Natural Energy
Lab läuft er mühelos an Kiuru vorbei und von da an seinem 4.
Sieg in Folge entgegen. Er verbessert den Streckenrekord nochmal auf 8:07:45.
Vier Deutsche landen unter den Top Ten.
Paula Newby-Fraser liefert den noch nicht geschlagenen Rekordbikesplit
von 4:48:30 und siegt zum sechsten Mal vor Erin Baker und Sue Latshaw
und zieht mit Dave Scott gleich, der auch 6 Ironmansiege auf dem Konto
hat
1994 - The return of the Man
Dave Scott kündigt sein Comeback an und wird von vielen belächelt.
Jürgen Zäck, der in den Jahren nach 2000 selber mit solchen
Sprüchen konfrontiert wird, scherzt bei der Pasta Party "Dave
you´re old". Diese Sprüche sind aber bereits in der zweiten
Wechselzone Geschichte, denn The Man steigt mit der Spitze vom Rad und
läuft mit dem flinken Aussie Greg Welch auf und davon. Am Ende kann
sich Greg Welch durchsetzen und gewinnt mit knapp 4 Minuten Vorsprung.
Nach vielen Topplatzierungen und Verletzungspech in den letzten Jahren
hat es der verrückte Aussie endlich geschafft. Geschafft hat es auch
Dave Scott, nämlich ein mehr als respektables Comeback. Als Dritter
läuft Jeff Devlin durchs Ziel knapp vor dem Deutschen Trio Zäck,
Sabatschus und Leder.
Paula Newby-Fraser schreibt mit ihrem siebten Sieg vor Karen Smyers Ironman
Geschichte. Die beliebte Brasilianerin Fernanda Keller kommt zu ersten
Mal aufs Treppchen.
1995 - Dramatik pur
Thomas Hellriegel tritt bei seinem ersten Ironman auf dem Rad die Flucht
nach vorn an. Er lässt auf dem Rad alles stehen was Rang und Namen
hat und steigt 13 Minuten vor dem Verfolgerpack von seiner Rennmaschine.
Unter den Verfolgern sind Mark Allen, Pauli Kiuru und Greg Welch. Die
Deutschen Fans zittern, wird die Führung bis ins Ziel reichen? Nein.
Allen lässt nichts anbrennen, er läuft gleichmäßig
schnell an den Deutschen heran und kann ihn schließlich drei Kilometer
vor dem Ziel, an dem kleinen Hügel kurz vor der Stadt überholen.
Etwa dort, wo 1989 Mark Allen nach acht Stunden endlich an Dave Scott
vorbeiziehen konnte, mit dem er durch diesen sechsten Sieg in der ewigen
Bestenliste gleichzieht. Rainer Müller wird Dritter mit weniger als
fünf Minuten Rückstand auf Allen, die knappsten Top 3 der Ironman
Geschichte. Im Damenrennen verläuft zunächst alles wie gewohnt,
Paula steigt mit großem Vorsprung vom Rad und läuft ihrem achten
Sieg entgegen. Karen Smyers geht mit elf Minuten Rückstand auf die
Lauftrecke und macht Schritt für Schritt Boden gut, sie hat Paula
bereits im Visier als es um die vorletzte Ecke auf die letzten 400 Meter
auf dem Alii Drive geht. Paula bleibt stehen und sackt auf der Gehwegkante
in sich zusammen, wenige Sekunden später zieht Karen Smyers vorbei
und gewinnt den Ironman in 9:16:46. Die Französin Isabelle Mouthon
wird Zweite. Paula hat sich inzwischen wieder hochgerappelt und wandert
die letzten Meter Richtung Ziel wo sie auf den letzten 10 Metern noch
von Fernanda Keller überholt und auf den 4ten Platz verwiesen wird.
1996 - Streckenrekord und Generationswechsel
Das Jahr 1996 hat es in sich. Beim Ironman Europe durchbricht Lothar Leder
als erster die Acht-Stunden-Schallmauer, und auch beim Ironman Hawaii
fällt der Streckenrekord. Thomas Hellriegel fährt einen 43er
Schnitt und geht mit drei Minuten Vorsprung auf den belgischen Langdistanzweltmeister
Luc van Lierde und den Kanadier Peter Reid auf die Lauftrecke. Thomas
Hellriegel läuft ein Wahnsinnsrennen und eine Wahnsinnslaufzeit von
2:46:55, er bricht auch den alten Streckenrekord von Mark Allen aber es
reicht nicht. Wieder wird Hellriegel wenige Kilometer vor dem Ziel an
einem kleinen Hügel vor der Stadt vom späteren Sieger überholt,
diesmal ist es Luc van Lierde, der bei seinem Ironman Debüt eine
2:42:28 läuft und mit 8:04:08 die bis heute gültige Bestmarke
setzt. Auch bei den Damen sieht es zunächst nach einem Sieg einer
europäischen Debütantin aus. Natascha Badmann steigt mit drei
Minuten Vorsprung vor Paula Newby-Fraser vom Rad, wird aber neun Kilometer
vor dem Ziel abgefangen. Die Queen of Kona holt ihren achten Titel, während
die Schweizerin Natascha Badmann vor Freude strahlend als zweite ins Ziel
schwebt. Titelverteidigerin Karen Smyers wird Dritte.
1997 - Germany dominiert
Aller guten Dinge sind drei denkt sich Thomas Hellriegel und macht in
diesem Jahr alles richtig. Bei schweren Bedingungen setzt er sich auf
dem Rad mit Jürgen Zäck von der Gruppe ab und einem ungefährdeten
Sieg entgegen. Am kleinen Hügel kurz vor der Stadt dreht er sich
um, aber heute ist niemand da der ihn schlagen kann. Jürgen Zäck
wird Zweiter vor dem heranstürmenden Lothar Leder, der als Achter
vom Rad gestiegen ist und mit der besten Laufzeit des Tages (2:49:15)
das deutsche Trio an der Spitze komplettiert. Insgesamt landen an diesem
Tag fünf Deutsche unter den ersten Zehn. Paula Newby-Fraser ist nicht
zum ersten Mal seit zwölf Jahren nicht am Start. Natascha steigt
aus. Wendy "Wingnut"Ingraham liegt lange in Führung wird
aber schließlich von den Kanadierinnen Heather Fuhr und Lori Bowden
überlaufen. Heather Fuhr läuft 3:06 und gewinnt in 9:31:43 vor
Lori und Fernanda. Spektakulär ist das Torkelfinish von Sian Welch
und Wendy Ingraham, die nur noch kriechend das Ziel als 4. und 5. erreichen.
1998 - Reid und Badmann
1998 ist das 20. Jahr des Ironman Hawaii, ein Jubiläum, von den Männern
und Frauen, die das Rennen schon einmal gewonnen haben fehlen nur vier.
Zur Feier des Tages dreht der Mumuku auf der Radstrecke so richtig auf.
Den Verpflegungsstationen am Hilton Waikoloa fliegen die Plastikstühle
um die Ohren.
Der Vorjahressieger Thomas Hellriegel und Peter Reid treten auf dem Bike
die Flucht nach vorne an und gehen gemeinsam auf die Laufstrecke. Dort
wird aber sehr schnell deutlich, dass Thomas heute keinen Einfluss auf
die Entscheidung haben wird. Er läuft 17 Minuten langsamer als im
Vorjahr und wird schließlich Achter. Peter Reid kann seinen Vorsprung
halten und siegt in 8:24:20 vor Luc van Lierde. Lothar Leder realisiert
zum zweiten Mal in Folge den schnellsten Laufsplit und wird mit dem dritten
Platz belohnt. Ironman Rookie Spencer Smith wird Fünfter. Natascha
Badmann steigt schon nach 56 Minuten aus dem Wasser und arbeitet sich
durch den Wind an die Spitze vor. Dort reicht ihr dann die viertbeste
Laufzeit zu einem Triumph über die auf den zweiten Rang vorgelaufene
Lori Boden. Fernanda Keller steht bereits zum vierten Mal als Dritte auf
dem Podium. Bei den Frauen fallen der Schwimm- und der Laufrekord durch
Wendy Ingraham (10.) und Heather Fuhr (5.). Paula Newby-Fraser wird bei
ihrem Comeback nur Elfte.
1999 - der Belgier is back
Das Ehepaar Peter Reid und Lori Bowden gewinnen im Frühjahr den Ironman
Australien in Foster und gehen so in Hawaii als Favoriten an den Start.
Auf dem Rad kann sich bei den Herren niemand absetzen und so gehen sechs
Athleten gemeinsam auf die Laufstrecke. Tim de Boom, Luc van Lierde, Peter
Reid, Christoph Mauch, Thomas Hellriegel und Peter Sandvang. Der beste
Läufer des Tages ist Luc van Lierde, er läuft 2:42:46 und holt
sich den zweiten Titel vor Peter Reid und dem überraschend starken
Tim de Boom. Lothar Leder wird übrigens in einer umstrittenen Entscheidung
auf dem Rad in Führung liegend disqualifiziert. Nach einer gewohnt
mäßigen Schwimmleistung arbeitet sich Lori Bowden an die Spitze.
Dort fühlt sie sich richtig gut und läuft als erste Frau in
Hawaii unter 3 Stunden. Dem hat auch Karen Smyers nichts entgegen zu setzen.
Als Dritte wird wieder mal Fernanda Keller im Ziel begrüßt.
2000 - Ein harter Tag
Im Jahr 2000 sind die Bedingungen auf dem Rad noch härter als 1998.
Nach dem Luc van Lierde zwei Tage vor dem Rennen absagt, ist Peter Reid
der Favorit bei den Männern. Bei den Frauen läuft es wohl auf
ein Duell zwischen Lori Bowden und Natascha Badmann heraus.
Im Rennen macht zunächst ein anderer Athlet auf sich aufmerksam.
Normann Stadler setzt sich ab und ist schließlich mit einigen Minuten
Vorsprung auf die Lauftrecke gewechselt. Der Par Force Ritt hat ihn leider
zu viele Körner gekostet, und er wird von Peter Reid und Tim de Boom
passiert. Reid gewinnt sein zweites Windrennen in 8:21:01. Normann Stadler
wird sensationeller Dritter. Auch Natascha erinnert der Wind an ihren
Triumph von 1998, und sie gibt auf dem Rad richtig Gas. Mit 17 Minuten
Vorsprung auf die Topfavoritin Lori Bowden wechselt sie in die Laufschuhe
und rettet sich schließlich mit einem Vorsprung von kaum über
zwei Minuten als Siegerin ins Ziel. Lori Bowden wird Zweite und Fernanda
Keller Dritte.
2001 - Tim de Boom
Lange haben die amerikanischen Triathlonfans auf einen Sieg gewartet,
und im Jahre 2001 ist es bei harten äusseren Bedingungen und einem
sehr starkem Feld endlich soweit. Tim de Boom holt sich vor dem Neuseeländer
Cameron Brown und taktisch klug laufenden Thomas Hellriegel den Sieg.
Mit einer Laufzeit von 2:45 entscheidet der US Boy das Rennen auf der
Laufstrecke. Bei den Damen siegt Natascha Badmann vor Lori Bowden und
Nina Kraft. Natascha macht bei dem Rennen auf dem Rad alles klar und nimmt
der später zweitplazierten Kanadierin auf dem Bike neun Minuten ab.
2002 – Entscheidungen stehen aus
Es wird aber sicher spannend. Schließlich ist es bei den Herren
und Damen eines der stärksten Starterfelder in der Geschichte. Neben
den vielen erfahrenen Athleten auf der Langstrecke, möchten sich
viele Kurzstreckler der Weltklasse endgültig auf der Langstrecke
etablieren - TOP 10 ist dort das Minimalziel 2002. Das deutsche Quintett
hat einige Scharmützel in diesem Jahr hinter sich, die Wunden wurden
geleckt und ein Angriff auf den Titel "Bester Deutscher"wird
ein spannendes Rennen im Rennen geben.(hs/kb)
|